Das Original als Content

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Der Glaube an das Original

muss man sich sein Hirn erst zertrümmern, um den Glauben an das Original nicht mehr zu empfinden
Original: Herkunft und Auskunft
Original: eine Bewertung
Original: Zorn einer Habgier
man stelle sich vor ein Künstler würde nicht sterben: man könnte ihn niemals besitzen
ist das Original die Rache am Künstler, der die Mülltonne nicht zu bedienen verstand, oder seine Saat

Der Gedanke des Originals

dem Gedanken des Originals wohnt die Idee der mangelnden Liebe inne
dagegen erst die Vervielfältigungen: ist die Vorstudie schon von der Ménage à trois besudelt, so entlädt sich in der Edition erst recht die Polygamie, die Untreue, das Fremdgehen
der Gedanke des Originals entstammt der Welt der Spießer, er ist ihre Reitpeitsche
der Gedanke des Originals ist die Idee der Besitzliebe, des Eigentums
es ist nur recht und wert, was ganz allein für eines – mich, das Geliebte – geschaffen wurde
das Original als Idee ist Eifersucht: in mich allein ist es geflossen

Die Kopie als Begriff

diese wundersame Vorstellung, eine Kopie würde sich von einer Kopie unterscheiden
welche der vielen Kopien hat den Vorzug des Originals, sehr befremdlich, dieses
als wenn ein Kategorienfehler das Original vor seiner Kopie bewahrt
als wenn das Original eine gescheiterte Kopie ist
als wenn das Original eingebaute Vorfahrt besitzt

Jenseits der Abstammung

das Original zu wollen, das heißt: die scharfe Sauce zu bestellen
ungenießbar, nur noch nach ‘echt’ schmeckend
das Bataillon der Härte: eine feine Trennschwelle einziehen, die das selbe in allenfalls ähnliches zersplittert
die Chancen auf Kunst nach dem Original stehen schlecht – die Chancen auf ein Leben stehen schlecht
im Original ist nichts wie früher: es sticht die Zeit aus
die Kopie aber kommuniziert: woher komme ich, wohin gehe ich – wessen Abbild bin ich, wessen Vorlage werde ich sein
das Original ist tot, es hat keine Verbindung, es ist unberührbar: König und Dalit in einem

Die Instanz der Originalität

das Original steht unter dem Schutz eines besonderen Sterns: Mercedes (Gnade)
kein Original ohne Instanz
kein Original ohne Zertifikat
ist also das Original eine Folge von Institutionen, quasi ein Nebenprodukt, oder gar deren Notwendigkeit
braucht der Betrieb sein Material, so erfindet er es auch
was, wenn es morgen nichts mehr zu beglaubigen gäbe
das Original aber weiß was es braucht und besorgt sich, womit es kommt und bekommt (so) nicht, was es ist
spricht nicht aus dem Kunststück, dem Original – dem direkten Ausfluss des Künstlers – so eine Art andauernde Epiphanie
so ein Glauben an das ‘Ereignis’ – an Zeiten und Räume und Seelen durchklirrende Hufschläge

Die Botschaft des Inhalts

das Original am Ende gar keine kapitalistische Versuchung
es ist frömmelnder, religiöser Natur
es lässt Fragen verstummen
es ist wie rein, es ist Offenbarung
siehe da: ich bin dein Glaube
das ist die Sauce, die schöne, die scharfe
das ist: lass mich dein Content sein
ein Original kann nur der Künstler erschaffen – und niemand sonst – wo käme man auch hin?!
man stelle sich vor, jeder könnte es einem so besorgen wie das Original

Genesis und Geltung

das Original selbst ist (noch) kein Verbrecher, erst die Kopie macht es dazu
nichts ist zweimal
die Kopie zeigt, was das Original verschweigt: seinen Anspruch, seine Vernichtung der Bewegung
gäbe es das Original nicht, gäbe es Geschichte als Herkunft, als Schicksal, als Geschick – als nötige Wendung, als bedingtes, formal vollzogenes – nicht
das Wesen des Originals, des Originellen: er hat es gemacht, und ich nehme es entgegen – sprechen so nicht Götter auf gleicher Augenhöhe über Schöpfung und Geschöpftes und Geschöpfe
rettet das Original nicht die Göttlichkeit seines Besitzers
ist nicht so die Wollust des Galeristen und Sammlers am Besitz seiner Künstler zu betrachten: als Gefallen am eigenen Werk
wenn das die Genesis des Künstlers, der Kunst und des Originals ist – als: dem Markt gefiel sein Ebenbild
was ist dann die Geltung, die Auswirkung
was macht diese Herkunft für eine Auskunft
von daher die Kunstwerke als Wiederholung, als andauernden Übersetzungsversuch erfassen

 


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