- Dem Tanz um das goldene Kalb Status zuliebe wird die Effizienz, die Wahrheit geopfert. Die Menschheit könnte ganz woanders stehen, wenn sie nicht die Dummheit potenzieren würde, sondern die Intelligenz. Aber es regiert das Dilbertprinzip: Wenn es schlecht ist, ist es gut, weil wir es so beschlossen haben. So und nur so wie es ist, ist es. Man wird also oft den Herren dieser Gangart begegnen: Denen Flexibilität noch nicht mal ein Fremdwort, sondern ein Grund für knackige Maßnahmen ist. Man macht sich also keinen Gefallen damit, auf Vernunft zu bestehen. Den alltäglichen Dilbert jedenfalls werden Reisende sehr oft erleben, da unten “Am Fuße der Leiter”, wo sie eben vor sich hin vegetieren. Wahrheit jedenfalls ist eine Konstruktion, ein Machwerk. Sie kommt in Gesellschaften, in Firmen, in sozialen Netzen vor. Viele Wahrheiten zusammen machen die Wirklichkeit. Und die ist dann so wie sie ist. Warum sollte sie auch anders sein. Klar, das ist das Recht der ersten Nacht. Darum reist man, für gewöhnlich. Außer man hat im Laufe des Spiels Macht erworben, die Wahrheiten macht: Zertifikate, Firmeneigentum, Posten, Einladungen von Goetheinstituten, feinstoffliches Gespür und so Sachen. Zeitreisende kennen so was von früher als Geleitbriefe, Empfehlungsschreiben und Erlasse, Dinge die dafür sorgen, dass man durch kommt. Wahrheit wird also wie ein Rasiermesser geführt werden. Lautlos, geschmeidig und fest in der Hand, so nutzt sie zur Macht. Immer schön an die Seeräuber Jenny denken: Welchen Wahrheiten soll es denn an den Kragen gehen?! “Alle! Und wenn dann der Kopf fällt, sag ich: Hoppla!”. Mit dem übermäßigen Anspruch an dergleichen gibt es wohl nur einen Weg, und der ist deutlich primitiv. Reisen heißt, wenn auch zumeist schwer verwundert, jenseits der Welten zu stehen, die man bereist. Mit Wahrheiten kaschieren sich die Unabänderlichkeiten. Eine Menge Geld, eine Menge eiskalte Berechnung, eine Menge stoische Gleichmut, eine Menge Status und eine Menge Herz am rechten Fleck machen Reisen trotzdem manchmal da möglich, wo sich jene Mauern aufbäumen oder rein theoretisch aufbäumen könnten, die sich Wahrheiten nennen. Das kleine Leben ist nur ein Posten im Etat der Wirklichkeit.
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